Straßennamen und ihre Bedeutung

Wolfertschwendender Straßennamen und ihre Bedeutung

In früheren Zeiten genügten zur Orientierung im Ort Haus- bzw. Hofnamen, die nicht immer mit dem Familiennamen des Haus-/Hofinhabers übereinstimmen mussten, als Adresse.

Im 19. Jahrhundert wurde dann eine Hausnummerierung eingeführt, damit die Bewohner leichter – auch von Steuereintreibern und Rekrutierungsoffizieren – gefunden wurden bzw. in Brandversicherungslisten aufgenommen werden konnten.

Dabei wurden sämtliche bestehenden Häuser und Höfe einer Ortschaft zunächst durchnummeriert. Anschließend erhielten alle neuen Gebäude in der Reihenfolge ihrer Errichtung eine fortlaufende Nummer. Diese Hausnummerierung ohne Berücksichtigung der Straßenzugehörigkeit entsprach den „alten Hausnummern“ (siehe „Haus- und Hofgeschichte der Gemeinde Wolfertschwenden“).

Im Lauf der Zeit jedoch wurde das System der fortlaufenden Hausnummern mit der wachsenden Anzahl der Häuser unserer Ortschaft zu unübersichtlich und so ging man 1974 dazu über, in Wolfertschwenden Straßennamen zu vergeben.

Am 13.08.1974 wurde in Wolfertschwenden die amtliche Straßenbenennung beschlossen und gleichzeitig die bis heutige gültigen Hausnummerierungen entlang der Straßen (im „Zickzackprinzip“) eingeführt. Dabei erhält eine Straßenseite die geraden und die gegenüberliegende Straßenseite die ungeraden Nummern.

In Wolfertschwenden gibt es 44 Straßen. Die Bedeutung der Namen all dieser Straßen erschließt sich nicht immer auf den ersten Blick. Dieser Beitrag soll die Herkunft und die Bedeutung einiger ausgewählter Straßennamen erläutern.


Am Meierhof
Neubauten, die nach dem dort stehenden ehemaligen Maierhof, dem vermutlich ältesten Hof am Ort (Grundbuchnummer I) benannt sind. Maierhof = Hof, der die Felder für den Burgherrn verwaltet und bebaut. Der Begriff Meier (Meyer, Maier, Mair, Major, Mayr, Majer…, aus dem Lateinischen: maior) bezeichnet ursprünglich einen Amtsträger eines Grundherrn zur Verwaltung des Grundbesitzes („Meierei“).


An der Pfarrpfründe
Baugebiet auf ehemaligen Grundstücken der Pfarrei Wolfertschwenden. Früher hatte der Pfarrer Grundstücke für seine Landwirtschaft, die später verpachtet wurden. Die Pacht war sein Einkommen (= Pfründe).


Angerweg
Die Straßenbezeichnung geht auf den alten Flurnamen „Angerwiesen“ zurück. Das Wort „Anger“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „Grasland“, „Wiesenfläche“.


Baderweg
Hausnummer 3 war Badstube zu Wolfertschwenden. In diesem Haus übte von 1496 bis 1833 der Bader seinen Beruf aus. Der Bader war nicht nur für die körperliche Reinigung zuständig, sondern auch für die Gesundheit der Dorfbewohner (wie z.B.: Aderlass, Schröpfen, Pflasterauflegen, Zahnziehen und Wundpflege). Öffentliche Badestuben waren eine unentbehrliche Einrichtung, da es damals auf den Bauernhöfen kein Bad gab.


Brandholzer Steige
Steile Straße, die zum Weiler Brandholz (Gemeinde Böhen, Pfarrei Wolfertschwenden) führt. Durch Abbrennen des Waldes (Brandrodung) entstanden Bauplätze und Wiesen.


Ehwiesmühlstraße
„ehe“ aus „ewe“ (mittelhochdeutsch) = was der Herrschaft gehört, d.h. nicht private Sägemühle. Straße, die entlang des Mühlbachs zur Ehwiesmühle (erstmals erwähnt 1587), – einst ottobeurisch – führt.


Georg-Schnadel-Weg
* 1891 in Rechtis (bei Kempten) † 1980 in Hamburg . Prof. Dr. Ing. Georg Schnadel war ein deutscher Schiffsbauer und Professor für Schiffsstatik und Schiffselemente an der Technischen Hochschule Berlin. Er besuchte – wie auch seine 9 Geschwister – die Dorfschule Niederdorf, wo sein Vater „Schorsch“ bis 1927 der Dorfschullehrer war. Seine Mutter Genoveva war eine geb. Rinderle aus Niederdorf.


Im Osteresch
Baugebiet auf Grundstücken mit der alten Flurbezeichnung „Osteresch“. „Esch“ auch „Oesch“ (von althochdeutsch „essisz“, Saatfeld) bedeutet Dorfflur. Osteresch = östlicher Teil der Dorfflur.


Kellerstraße
Straße, die zum ehemaligen Bierkeller der Brauerei Dodel, die damals in der Ortsmitte lag, führt. Mit Eis aus zwei Eisweihern (in denen im Winter das Eis gesägt wurde) wurden die Bierfässer, die im Bierkeller lagerten, gekühlt. Der Bierkeller war bis circa 1922/23 in Gebrauch.


Kneippstraße
Die Verbindungsstraße zwischen den Kurorten Bad Grönenbach – Ottobeuren – Bad Wörishofen ist nach Sebastian Kneipp, * 1821 in Stephansried (Ortsteil von Ottobeuren) † 1897 in Bad Wörishofen, benannt. S. Kneipp war ein als die Kaltwassertherapie betreibender Hydrotherapeut und Naturheilkundler bekannt gewordener bayerischer römisch-katholischer Priester.


Lehmbachstraße
Genannt nach dem „Lehmbächle“, das vom Berghang östlich des Dorfes über beide Weiher, die zur Brauerei gehörten (= der obere und untere Eisweiher) bis zum Anwesen S. Geiger (Bachstr. 16) lief und dort in den Mühlbach floss. Am Berghang: häufiges Vorkommen von Lehm (= tonige Erde). Bis ins 19.Jahrhundert gab es am Ort sogar eine Ziegelei.


Molkereiweg
Verbindungsweg zwischen der ehemaligen „oberen“ und „unteren Molkerei“.


Prielweg
Priel = Bezeichnung für feuchte Wiese, feuchter Grund, Feuchtgebiet, Wiesen entlang des Baches. Der Radweg läuft durch Grundstücke, die in alten Urkunden und Flurplänen schon den Flurnamen „Untere Prielwiesen“ trugen.


Schönhalde
Straße nach der alten Flurbezeichnung „In der schönen Halde“ benannt. Halde = abfallende Seite eines Berges oder Hügels, Berghang, Bergabhang.


Steinbreche
Am Berghang (Ostufer des Urstromtales der Iller) wurden angeblich für den Bau des Ottobeurer Klosters und der Kirche Steine (Nagelfluh) gebrochen.


Welfenstraße
Die früheren Wolfertschwendener Burgherren stammten aus dem Geschlecht der Welfen (= ältestes Adelsgeschlecht Europas). Seit ca. Mitte des 8. Jahrhunderts in Schwaben nachweisbar. Straße in Erinnerung an die Ortsgründer, das Geschlecht der Welfen, benannt.


Bossarts
Ortsname. Name des Weilers läßt keine eindeutige Erkärung zu.

Klessen
Ortsname abgeleitet von den früheren Besitzern „Cleß“ des Klessenhofes. Dieser Hof war Erblehen und Sennhof des Klosters Ottobeuren.